Für Erwachsene: Death Stranding

Intensive Emotionen – „Death Stranding“ ist Videospielkultur für Erwachsene. (Foto: Sony Interactice Entertainment)

Erwachsene Spieler mussten lange auf ein anspruchsvolles Spiel für ihre Zielgruppe warten. Das Warten hat sich gelohnt: „Death Stranding“ ist nicht nur ein Meisterwerk des Kult-Spielemachers Hideo Kojima („Metal Gear Solid“ ), sondern auch ein Meisterwerk des Mediums an sich. Selten hat ein Videogame das Prädikat Kunst derart widerspruchslos verdient.

Mit filmreifen Zwischensequenzen und einer ungewohnt ernsthaften Atmosphäre sorgte die „Metal Gear“-Reihe für Aufsehen. Der kreative Kopf dahinter ist Hideo Kojima.

Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit dem Publisher Konami geht er mit seiner Firma Kojima Produtions eigene Wege. Das aufsehenerregende „Death Stranding“ beweist: Klotzen, nicht kleckern ist weiterhin die Devise eines der größten Geschichtenerzählers des digitalen Storytellings.

Eine neue Gattung von Storytelling

Dass hinter „Death Stranding“ eine große Vision steckt, merkt man bereits daran, dass er mit echten Schauspielerin zusammengearbeitet hat, um den Charakteren ebenso echte Gefühle ins Gesicht zu schreiben.

„Ich mag Filme wirklich sehr. Ich versuche täglich mindestens einen Film zu sehen, wenn nicht mehr“, sagte Hideo Kojima in einem Interview mit dem Time-Magazin.

Dank Motion- und Performance-Capture wurden die Gestik und Mimik der Darsteller so realistisch digitalisiert, dass „Death Stranding“ bisweilen den Eindruck erweckt, weder Film noch Spiel, sondern eine ganz eigene, neue Gattung darzustellen.

Zusammen mit der ernsten und dunklen Story entstand so Erwachsenen-Entertainment und Digitalkunst auf höchstem Niveau.

The Walking Dead trifft auf Kurierdienst

Die Hauptrolle in der Mischung aus Game und interaktivem Film übernimmt der markante Norman Reedus, bekannt aus der TV-Kultserie „The Walking Dead“. Als Grenzgänger zwischen Diesseits und Jenseits mimt er einen Paketboten, der unerschrocken durch die apokalyptische Open World wandern muss.

Mads Mikkelsen kennt man unter anderem als Bösewicht in „James Bond 007: Casino Royale“. Ebenalls aus einem Bond-Film bekannt – nämlich „Spectre“: Léa Seydoux.

Die von Hideo Kojima verehrten Regisseure Guillermo del Toro („Shape Of Water“) und Nicolas Winding Refn („Drive“, „Too Old To Die Young“) treten ebenfalls im Spiel als Darsteller auf. Die Verehrung beruht übrigens auf Gegenseitigkeit. Spätestens „Death Stranding“ zeigt: völlig zu Recht.

Das finstere Setting

Das Wandern ist des Kurierdienstes Lust …

Die Erde vom sogenannten Gestrandeten Tod heimgesucht, der die Welt der Lebenden und der Toten miteinander verband.

Die Folge: Zerstörung, Tod und übernatürliche Ereignisse. Dazu gehören “Leerestürze”, Explosionen gewaltigen Ausmaßes, der “Zeitregen”, der den Alterungsprozess bei Berührung in rasender Geschwindigkeit voranschreiten lässt, und das Erscheinen sogenannter “GDs”, lebensgefährlicher Wesen aus einer anderen Dimension.

Die letzten Überlebenden in Amerika verschanzen sich in Hochsicherheits-Bastionen. Wenn man das noch Leben nennen kann, denn ihr Alltag besteht nur noch aus Isolation und Furcht.

Der letzte Hoffnungsträger: Sam Porter Bridges (Norman Reedus). Aufgrund seiner Vita ist er prädestiniert, den Kurierdienst in der unwirtlichen und bedrohlichen Welt da draußen zu übernehmen.

Nebenbei soll er natürlich auch noch die Welt retten. Indem er die Städte mit dem “chiralen Netzwerk” verbindet und die Menschheit so vor dem Aussterben bewahrt.

Wer bringt die Post in der Postapokalypse?

Wer könnte das Spiel besser erklären als Hideo Kojima selbst. In einem Interview für Sony erklärte er: „Death Stranding ist ein Actionspiel völlig neuen Typs, in dem der Spieler das Ziel verfolgt, isolierte Städte und eine zersplitterte Gesellschaft wieder miteinander zu verbinden. Das Motiv des Strangs oder der Verbindung verschweißt alle Elemente des Spiels, einschließlich der Geschichte und des Gameplays, miteinander.“

Er geht auch auf den Online-Modus ein: „Als Sam Porter Bridges versucht ihr, die gesellschaftlichen Kluften zu überbrücken. Indem ihr das tut, schafft ihr neue Bindungen oder „Stränge” mit anderen Spielern auf der ganzen Welt. Ich hoffe, dass euch beim Spielen bewusst wird, wie wichtig es ist, Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen.“

Die Online-Funktionalität ist hier anders als der klassische Mehrspielermodus, in dem sich Spieler zu Gesicht bekommen, wenn auch nur virtuell.

Vielmehr findet man gegebenenfalls „Spuren“ anderer Spieler, die einen Ort bereits besucht hatten. Oder man hinterlässt selbst etwas für die Nachfolger. Beispielsweise Verbrauchsmaterialien oder Hilfsmittel wie eine Leiter oder Hinweise auf sichere.

Der Weg ist das Ziel

Die Sandbox-Welt von „Death Stranding“ erscheint unendlich groß. Zum Glück kann man sich nach der Lektüre der Karte Wegpunkte setzen.

Das ohnehin cineastische Flair von „Death Stranding“ wird bei den Wanderungen durch die scheinbar endlos wirkenden menschenleeren Regionen der Postapokalypse unterstützt vom Soundtrack, der teils orchestral und teils mit Indie-Pop das bildgewaltige Epos emotional unterstreicht.

Dank der Musik erscheinen die Fußmärsche nie langweilig, sondern sorgen – auch ohne VR-Brille – für Immersion. Spieler tauchen ganz ein in die beklemmende Welt von „Death Stranding“. Mehr noch als es ein klassischer Film vermitteln könnte.

PC-Version erst im nächsten Jahr

Wichtig: Für Kinder unter 16 Jahren ist der Titel nicht geeignet. Selbst Erwachsene brauchen starke Nerven in der Mischung aus SciFi- und Horror-Welt von „Death Stranding“.

Derzeit ist „Death Stranding“ exklusiv für die PlayStation 4 erhältlich. Eine Windows-Version soll 2020 folgen.

USK: ab 16