Nichts für Kinder: Die Wolfenstein Spiele

Mit „Wolfenstein Youngblood“ und dem VR-Titel „Wolfenstein Cyberpilot“ erscheinen zeitgleich zwei Spiele aus der martialischen Reihe. Es gibt gute Gründe, warum diese erst ab 18 Jahren freigegeben sind. (Bethesda Softworks)

Darf man auf einer Website für familienfreundliche Games über Titel berichten, die ein USK-Logo „ab 18“ tragen? Spiele also, die nur für Erwachsene freigegeben sind? Die Antwort lautet im Fall der „Wolfenstein“-Reihe aus mehreren Gründen: ja!

Der erste Grund folgt der gleichen Intention wie die USK. Wir wollen mit diesem Text Eltern darüber aufklären, dass „Wolfenstein Youngblood“ und „Wolfenstein Cyberpilot“ definitiv nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren geeignet sind. Zu martialisch ist die Darstellung der Gewalt.

Eigentlich sollte ein USK-Logo „ab 18“ ein ausreichender Hinweis sein. Eigentlich … Die Praxis lehrt jedoch, dass es vielen Eltern offenbar an Medienkompetenz fehlt oder an Interesse am Alltag ihrer Kids. Nachdem wir es als unsere Aufgabe sehen, Erziehungsberechtigten zu helfen bei der Beurteilung, welche Spiele für ihre Kids geeignet sind, helfen wir auch in diesem Fall gern: Diese beiden Games sind es nicht!

Doch wir wollen hier nicht die Moralkeule schwingen. Der zweite Grund, warum wir die beiden Spiele vorstellen ist: Sie sind gut. Und machen Spaß. Und zwar erwachsenen Spielern. Darunter sind natürlich auch Eltern.

Wolfenstein Youngblood

Paris, 1980. Na ja, um genau zu sein: 1980 in einem Paralleluniversum, in dem die Nazis den Krieg gewonnen haben.

B.J. Blazkowicz, Held der zweiten Amerikanischen Revolution, wird vermisst. Neunzehn Jahre nach den Ereignissen von „Wolfenstein II: The New Colossus“ ist B.J. nach einer Mission in Paris verschwunden. Die Stadt ist vom „Regime“ besetzt. Gamern ist natürlich klar, auf welches historische Regime hier angespielt wird.

Ein Novum in der „Wolfenstein“-Reihe: Nicht B.J. spielt die Hauptrolle, denn er wird ja gesucht. Und zwar von seinen Zwillingstöchtern Jess und Soph.

Jahrelang wurden sie von ihrem kampfgestählten Papa ausgebildet, nun kommt die Zeit, sich zu beweisen. Können Sie ihren Dad retten – und nebenbei die ganze Welt?

In der verstörenden alternativen Realität von „Wolfenstein Youngblood“ ist Paris nicht die Stadt der Liebe, sondern ein wahrgewordener Albtraum.

Die Story beschränkt sich, wie schon in den Vorgängern, nicht auf stumpfe Gewalt, sondern schafft den Spagat zwischen augenzwinkerndem schwarzen Humor, Trash und dramatischer Ernsthaftigkeit. Dazu eine komplexe Story – fertig ist der Film, den Quentin Tarantino nie gedreht hat. Aber vielleicht gern gedreht hätte!

Spieler verbünden sich mit einer neuen Gruppe von Freiheitskämpfern und zeigen den Nazis: Wir sind nicht mehr. Aber bereit alles dafür zu tun, dass das Böse nicht siegt.

Doppelt spielt besser

Die Besonderheit von „Wolfenstein Youngblood“: Man spielt nicht allein, sondern im Koop-Modus. Entweder man verbündet sich mit einem realen Mitspieler, mit dem man Seite an Seite für das Gute kämpft oder man lässt die Rolle der zweiten Schwester von der KI übernehmen.

Liebe zum Detail: Der Soundtrack ist inspiriert von den Synthie-Sounds der 80er.

Der Ego-Shooter ist erhältlich für Xbox One, PlayStation4, PC und Nintendo Switch.

Gesellschaftskritik im Kugelhagel?

Einen Teil seiner Atmosphäre verdankt das Spiel der Tatsache, dass die Erben des „Regimes“ auch heute noch ihr Unwesen treiben. Das Spiel mag auf den ersten Blick ein Action-Titel sein.

Gleichzeitig regt es auf einer Meta-Ebene dazu an, sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander zu setzen. Etwas, was man nicht von vielen Games sagen kann.

Wer „Wolfenstein“ als Ballerspiel rund um den Reiz des Verbotenen diffamiert, hat nichts über die Spielereihe verstanden.

Wolfenstein Cyberpilot

In „Wolfenstein Cyberpilot“ tauchen Spieler per VR-Headset ein in eine unbequeme Parallelwelt, in der die Nazis den Krieg gewonnen haben.

Auch „Wolfenstein Cyberpilot“ spielt in Paris im Jahr 1980. Auch hier sehen die Achtziger deutlich anders aus als in der Realität. Denn in der virtuellen Realität, die per VR-Headset auf der PS4 oder dem PC hautnah erlebt wird, ist Paris von stahlharten Profis besetzt. Das soll anders werden. Und der Schlüssel dazu ist – man ahnt es bereits – der Spieler.

Wir schlüpfen in „Wolfenstein Cyberpilot“ in die Rolle des besten Hackers der Stadt. Unsere Mission: die französischen Résistance unterstützen und die völlig veränderte Metropole wieder in die Stadt der Liebe verwandeln.

Um Paris aus den Klauen des menschenverachtenden Regimes zu befreien, wird man zum Cyberpilot, welcher dem Game seinen Namen gibt.

Als Hacker hat man Zugriff auf einen feuerspuckenden Panzerhund, der den Regimestreitkräften im wahrsten Sinne des Wortes Feuer unterm Hintern macht.

Den Panzerhund, eine Art XXL-Kampfroboter auf vier Beinen, kennt man zwar auch aus den anderen „Wolfenstein“-Titeln, doch per VR-Brille im Cockpit Platz zu nehmen ist eine ganz andere Nummer!


Der Versuch, die Faszination „Wolfenstein“ per Virtual Reality-Technik zu intensivieren, ist Bethesda meisterhaft gelungen.

Egal wie viele VR-Titel man bereits kennt: Dank seiner grafischen Opulenz bringt
„Wolfenstein Cyberpilot“ selbst Hardcore-Gamer zum Staunen.

Der Wow-Effekt hält lange an und Spieler erleben Immersion so wie sie sein soll.

Das an sich schon unbequeme Setting der „Wolfenstein“-Reihe wirkt gespenstischer, beklemmender und epischer denn je.

Neben dem Panzerhund steuern wir später weitere diabolische Regime-Technik, die wir gegen ihren Erfinder verwenden.

Das einzige, was man dem Titel vorwerfen kann ist, dass die Spielzeit relativ kurz ist. Dafür jedoch intensiv.