Werden Sie Wettergott: Adobe Lightroom 5

Foto: Adobe

Malen mit Licht – und mit Lightroom. (Foto: Adobe)

Fotografieren ist – wörtlich übersetzt – Malen mit Licht. Wenn man vom Hobby-Kritzler zum virtuosen Licht-Zeichner aufsteigen will, kommt man an einem Programm nicht vorbei: Adobe Lightroom.

Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, man müsse sich zwischen dem bekannteren Photoshop und Lightroom entscheiden. Profis arbeiten bevorzugt mit beiden Programmen, da sich diese ergänzen. Es gibt Dinge, die mit Photoshop leichter von der Hand gehen, während andere mit Lightroom effektiver zu handeln sind.

Lightroom ist nicht nur eine Software, um Ihre Fotos zu organisieren und den Workflow zu beschleunigen, sondern auch eine digitale Dunkelkammer. Wer noch nie mit Lightroom gearbeitet hat, wird verblüfft sein, was man aus Fotos herausholen kann, die mit der Software optimiert wurden.

Das gilt vor allem für RAW-Dateien, aber selbst uralte, unscheinbare Urlaubsfotos im JPG-Format lassen sich mit Lightroom so stark veredeln, dass das Ergebnis kaum wiederzuerkennen ist.

Ihr neuer Job: Wettergott!

Ein Beispiel: ein Schnappschuss von einem Tag am Meer bei schlechtem Wetter. Der Sand ist unterbelichtet, der Himmel und das Meer gehen Grau in Grau ineinander über und verschwimmen in ein Gesamtbild voller Langeweile. Ein paar Bewegungen mit Verlaufsfilter und ein paar Pinselstriche später haben wir ein türkisfarbenes Meer, einen  orangefarbenen Sonnenuntergang, dramatische Wolken und einen herrlich feinsandigen Strand.

Man kann ohne Übertreibung sagen: Das Wetter kann ihnen in Zukunft egal sein, denn bei der Retusche mit Lightroom werden Sie zum Wettergott – egal ob eitel Sonnenschein oder die dramatische Ruhe vor dem Sturm, der sich am Himmel zusammenbraut. Sie können sogar den Tag zur Nacht machen.

Lightroom wird auch von Leuten geschätzt, die ihre Bilder nicht aufwendig nachbearbeiten, sondern nur Organisieren wollen. Vielseitige Verwaltungsfunktionen für alle Bilder auf dem Rechner werden geboten – beispielsweise eine detaillierte Verschlagwortung, Bildersuche nach Stichwort oder anderen individuellen Aspekten wie z.B. der Brennweite, Geo-Tagging, usw…

Neben der Organisation und Bildbearbeitung bietet Lightroom zudem auch Tools für die Ausgabe und Präsentation – beispielsweise für Fotobücher, die eigene Webseite oder für eine Dia-Show mit Musik, die Sie dem „Publikum“ auf dem Fernseher zeigen wollen.

Auch die Synchronisation mit mobilen Geräten ist möglich.

Aller guten Dinge sind 5

Wir haben Lightroom 5 getest. Die Highlights dieser Version auf einen Blick:

  • Erweiterter Reparatur-Pinsel: Ob Schönheitsfleck auf dem Model, Staub oder Haare auf einem Diascan oder zu spät bemerkte Flecken auf dem Objektiv: Mit dem intelligenten Lightroom-Pinsel verschwinden diese Störfaktoren wie von Zauberhand. Sie werden das Gefühl haben, das Programm weiß, was Sie vorhaben und erledigt den Job für Sie
  • Upright: Mit dieser Funktion lassen sich perspektivische Verzerrungen mit einem Klick automatisch korrigieren.
  • Radialverlauf: Scheinwerfer an! Der Radial-Filter hilft Ihnen mit seiner Kreis- oder Ellipsen-Formgebung, zu steuern, wohin das Auge des Betrachters schweift. Beispielsweise, indem man einen einzelnen Pilz im Wald stärker schärft als den Rest. Oder das Gesicht des Models stärker beleuchtet als die Umgebung.
  • Wiederherstellung von Tiefen und Lichtern: Schieberegler für Helligkeit und Kontrast kennen auch Benutzer der Photoshop Elements-Reihe, die sich vor allem an Einsteiger wendet. Lightroom allerdings wird auch in diesem Punkt seinem lichtdurchfluteten Namen gerecht: Neben Belichtung und Kontrast gibt es je einen eigenen, stufenlos regulierbaren Slider für Lichter, Tiefen, Weiß und Schwarz. Damit lassen sich auch Fotos, die unter schwierigen Lichtverhältnissen entstanden sind, nachträglich so korrigieren, dass Licht und Schatten nicht von der Willkür der Kamera abhängen, sondern von den Wünschen des Lichtmalers am Rechner.
  • Fortschrittliche Schwarz-Weiß-Konvertierung: Ein farbiges Bild in ein monochromes zu verwandeln, bedeutet mehr als einfach nur die Farben zu entfernen. Profis wissen, dass ein imposantes B&W erst entsteht, wenn feine Abstufungen und Kontraste dargestellt werden. Deshalb lassen sich in Lightroom 5 bei der Konvertierung von Farbfotos in Graustufen die Informationen von acht Farbkanälen einzeln mischen.
  • Enge Integration mit Photoshop: Wie zu Beginn erwähnt stellt sich bei ambitionierten Fotografen und Fotodesignern nicht die Frage: Photoshop oder Lightroom? Stattdessen ergänzen sich beide Programme. So lassen sich Fotos direkt aus Lightroom in Photoshop öffnen, um präzise Korrekturen auf Pixel-Ebene vorzunehmen. Die Änderungen werden sogleich in Lightroom sichtbar.
  • Selektive Bearbeitung mit Pinseln: In Lightroom kann man nicht nur mit Licht malen, sondern auch mit Pinseln. Keine Sorge: Man muss kein Picasso sein, wir bleiben weiterhin im Bereich der Fotografie. Gemeint ist lediglich, dass Eigenschaften wie Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich, Schärfe, Rauschen, Moiré-Effekte usw. nicht auf das komplette Bild angewendet werden müssen, sondern selektiv an bestimmten Bildbereichen angewendet werden können. Ein Beispiel: Ihr Model und der Hintergrund sind in der Original-Aufnahme beide gestochen scharf, weil Sie in der Kamera eine geschlossene Blende benutzt haben. Damit ein für Porträts typischer unscharfer Hintergrund entsteht, zeichnen Sie einfach den Hintergrund mit dem Pinsel unscharf!
  • Beeindruckende Rauschreduzierung: Hier geht es natürlich nicht um die Bekämpfung des Katers nach einer durchzechten Nacht, sondern um das störende Bildrauschen, was beispielsweise bei Nachtaufnahmen und Bildern mit hoher ISO-Zahl ensteht.
  • Entwicklungsvorgaben: neudeutsch auch Presets genannt. Lightroom erlaubt nicht nur, die Einstellungen von bearbeiteten Bildern, mit denen Sie zufrieden sind, zu speichern, sondern beinhaltet auch diverse gebrauchsfertige Vorgaben – beispielsweise Sepia-Tönungen für diverse Schwarzweiß-Looks oder Effekte wie die Anmutung eines alten Fotos. Zudem finden sich im Internet unzählige Presets – teils gratis, teils kostenpflichtig.

Intuitive Bedienung

Learning by doing ist hier die Devise, denn die Original-Dateien werden beim Herumexperimentieren nicht angetastet.

So kann man hemmungslos ausprobieren, ob man ein Bild optimiert oder verschlimmbessert, ohne Angst um sein Foto haben zu müssen.

Intuitive Werkzeuge für Farbe, Farbton, Kontrast und viele andere Facetten, die ein perfektes Bild ausmachen, sorgen dafür, dass relativ zügig Lichtmeister vom Himmel fallen.

Zu haben ist Lightroom sowohl als klassische Software in der Schachtel als auch in der Creative Cloud von Adobe, einem Abo-Modell, über das man auch andere Software des Unternehmens nutzen kann.

Fazit

Wer mit seiner Leidenschaft fürs Fotografieren und der digitalen Nachbearbeitung einen Schritt mit Sieben-Meilen-Stiefeln machen möchte, wird die Investition in die Software nicht bereuen.

Gut Licht und viel Spaß!