Xavier Naidoo: Ein Papa im Interview

(Foto: Naidoo Records GmbH)

(Foto: Naidoo Records GmbH)

 

Wie und wann ist Dein neues Album entstanden?

Man kann bei mir nicht mehr so von ´ner Zeit sprechen, in der ich ein Album mache, weil ich ständig einfach Songs sammle und mal mehr und verstärkter und nicht so zwischendrin, zwischen Tür und Angel vielleicht auch. Das heißt, man hat immer wieder Momentaufnahmen. Es ist immer wieder wie eine Polaroid Kamera, die man für den Moment mal rausholt und ´nen Schnappschuss macht.

Auch auf Deinem neuen Album drehen sich viele Songs um Liebe – ist das Dein großes Thema?

Klar, es schwingt voller Liebe zur Musik. Es schwingt aus meiner Liebe zu meinen Mitmenschen vieles mit. Und wenn man einem Album einen Rahmen oder einem meiner Alben einen Rahmen geben möchte, dann trifft man es meistens ganz gut mit Liebe.

Du sprichst auf dem Album sehr oft von einem „Du“. Und dein neues Album trägt den Titel „Für Dich“. Man hat das Gefühl, dass Du mit manchen Songs direkt Deine Familie ansprichst?

Diese Songs gibt es natürlich ganz klar. Da kann ich natürlich sagen: „Okay, die drei, vier, fünf Songs, da kann ich sagen, da kann ich den Finger drauf setzen. Ja, da hatte ich ganz klar Bilder von meinem Sohn, der sagt, er will bei mir bleiben und will nicht, dass ich weggehe oder er will dabei sein.“ Das ist eh sein Ding. Und wenn man dann merkt, okay, ich muss ihm jetzt leider absagen, dem kleinen Mann, dann kommen halt die Tränen und er sagt: „Ich will aber dabei sein.“ Daraus macht man natürlich Songs. Da muss man sich auch irgendwie therapieren.

Du singst auf dem Album oft über spezielle Momente im Leben. Kannst Du eigentlich im Hier und Jetzt leben und den Moment genießen?

Ich bin absolut offen dafür. Das habe ich mir bewahren können, mehr oder weniger aus der Kindheit heraus: Dieses „Alle in der Schule gucken an die Tafel, ich gucke stundenlang einfach nur raus und denke über irgendetwas nach. Alles geht an mir vorbei.“ Diese innere Haltung, die habe ich mir bis heute bewahrt. Du kannst mich eigentlich selten aus der Ruhe bringen. Am besten schaffen das natürlich mein Sohn und meine Frau. Aber ansonsten ist es eigentlich echt schwierig.

Welche Gedanken und Gefühle löst es bei Dir aus, wenn Du die Songs des neuen Albums jetzt nach Veröffentlichung hörst?

Ich glaube, es ist am ehesten immer zu beschreiben, wenn man sich ein Album anhört, die Lieder darauf anhört, ist das schon wie wenn man ein Familienalbum anschaut, mit Bildern von deiner Familie, mit Bildern von deinen Kindern vielleicht. So ist es – man hat seine Kinder geboren und dann lässt man sie in die Welt hinaus.

Hast Du eigentlich Zukunftsangst?

Ich glaube immer an das Gute in den Menschen und ich glaube auch immer an meine Fähigkeit, mit allen Menschen und allen Situationen adäquat umzugehen und gesund aus welcher auch immer Situation hervorzugehen. Ja, mach dir keine Sorgen um mich.

Was hast du dir bei dem Leid „Zuhause“ gedacht?

„Zuhause“ beschreibt all die Situationen, die sich abspielen, wenn ein „Nach Hause kommen“ sich anbahnt – also dort, wo man hinwill, ist ein bisschen Aufruhr und in einem selbst ist auch ein bisschen Aufruhr. Und wenn das viele Wochen manchmal waren oder so, dann ist der Aufruhr groß.

„Für Dich“ heißt das Album und ein Song – wer ist gemeint?

„Für Dich“ ist ein Text, den ich am ehesten meinem Sohn widmen würde oder vielleicht ein Vater seinen Kindern widmen würde – dass man einfach alles in Bewegung setzen würde manchmal, um gewisse Dinge zu verhindern oder man weiß „oh da ist gerade was, da müsste ich jetzt eigentlich da sein oder müsste schützend die Hand drüber halten“. Ich glaube jedes Elternteil oder jeder Mensch, der jemanden hat, den er sehr lieb hat, weiß, was ich damit sagen will, dass man halt Himmel und Erde in Bewegung setzen würde, um gewisse Dinge wieder gut zu machen, zu verhindern. Das ist das, was ich damit ausdrücken will.

Um wen geht es im Song „Bei Dir sein“?

„Bei Dir sein“ ist glaube ich am ehesten ein Lied, das darauf zurück zu führen ist, dass ich hin und wieder in die Augen meines Sohnes gucke, der gerade sagt, ich soll nicht gehen, dass er nicht gut findet, dass ich jetzt gehe, oder dass er mit will und ich aber entscheiden muss, dass es jetzt vielleicht doch besser ist, wenn er nicht mit geht. Das sind dann doch sehr harte Momente. Und daraus kann man glaube ich sehr schnell ein Lied oder ein Gefühl für ein Lied zimmern, weil das einfach so eine echte Emotion ist.

Kannst du etwas zum Track „Tropfen für Tropfen“ sagen?

„Tropfen für Tropfen“ ist ein Lied, das glaube ich den Umstand beschreibt, dass man oft mehrere Anläufe braucht, um ans Ziel zu kommen – aber man muss halt dranbleiben.

Und die Bedeutung des Songs „Was ist schon für immer“?

„Was ist schon für immer“ ist glaube ich wirklich auch wieder aus der Musik heraus geboren: Einfach die Liebe zu meiner Frau. In dem Fall natürlich aber auch einfach diese Emotionen da rein zu packen, diesen Moment jetzt zu haben. Ich habe den Moment sehr schätzen und lieben gelernt und würde, glaube ich, vielleicht sogar eher dem Moment verfallen wollen, also auch fatalistisch, als „für immer“ zu wählen.

„Mach Dir keine Sorgen“ trägt sicher auch autobiographische Züge?

„Mach Dir keine Sorgen“ ist glaube ich ein Lied, das ich hätte schreiben sollen vor 25/30 Jahren, als es meiner Mutter noch schwer fiel, zu glauben, dass aus dem Jungen etwas werden kann in der Musik und mit Gesang und so weiter, sie es aber trotzdem möglich gemacht hat. Ich hatte ja das Glück, dass ich eigentlich immer in der Nähe Mannheims war, in der Nähe von Mama.

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Album: „Für Dich.“
VÖ: 24.11.2017
Label: Naidoo Records

Tracklisting:

Nimm Mich Mit
Zuhause
Für Dich
Allein
Gib Mir Liebe
Drück Diesem Leben Deinen Stempel Auf
Bei Dir Sein
Stille
Solange Ich Noch Darf
Hoch Entwickelt
Tropfen Für Tropfen
Bereit Für Die Liebe
Was Ist Schon Für Immer
Mach Dir Keine Sorgen